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Digitale Businesskonzepte stehen auf der IBM Business Connect im Mittelpunkt

IBMs Version des Beziehungsgeflechts aus Gesellschaft, Individuum und Technologie (Quelle: IBM)

IBMs Version des Beziehungsgeflechts aus Gesellschaft, Individuum und Technologie (Quelle: IBM)

Mannheim – Am 15. und 16 Oktober fand zum ersten Mal die IBM Business Connect statt. Mit der Veranstaltung, in der es um Analytics, E-Commerce, Social Business und Smarter Cities ging, fasst der Anbieter drei bisherige Kundenveranstaltungen zusammen. Das Konzept, mit der er den Teilnehmern Gelegenheit gibt, über den Tellerrand ihrer jeweiligen Technologie zu schauen, ist aufgegangen. Den über 1000 Besuchern wurden die neuesten Trends im Bereich Social, E-Commerce und Analytics mit lebendigen Anwenderbeispielen präsentiert.

 Was passiert eigentlich im Kopf des Besuchers, wenn die Veranstaltung in einer Stadt abgehalten wird, die in erster Linie für das Fehlen von Straßennamen berühmt ist? Genau wissen wir natürlich auch nicht, was Mannheim bei den Teilnehmern ausgelöst hat. Aber weil die Stadt so wenig ablenkt, könnte die Konzentration auf die 1. IBM Business Connect umso größer gewesen sein. Sollte das so gewesen sein, hat es sich gelohnt. Die IBM hat mit dem zweitägigen Kongress, den eigenen Angaben zufolge über 1000 Teilnehmer besuchten, nicht nur ein verschiedene Technologien und Lösungsthemen überspannendes  Konzept vorgestellt und mit den eingeladenen IT- und Businessvertretern zum Teil auch neue Zielgruppen angesprochen, sondern sie hat auch die Lösungen ihrer Kunden sehr stark in den Vordergrund gestellt.

Ralph Demuth, IBM: Die digitale Transformation bringt neuen Nutzen für Unternehmen und Kunden. (Quelle: IBM)

Ralph Demuth, IBM: Die digitale Transformation bringt neuen Nutzen für Unternehmen und Kunden. (Quelle: IBM)

Ralph Demuth, Vice President Software Technical Sales, Solutions and Services IBM Europe, spannte den Bogen vor. Er zeigte auf, dass es im IT-Markt nicht mehr um einzelne Trends geht, die genutzt werden können oder auch nicht, sondern dass heute ein Beziehungsgeflecht aus gesellschaftlichen Strömungen, individuellem Verhalten und technologisch Machbaren bestimmt, welche Trends und Lösungen sich durchsetzen. Diese „Business Transformation“, die als Resultat neuen Nutzen für den Kunden bringe, werde, so Demuth weiter, durch die Schlüsseltechnologien Big Data, Social, Cloud und Mobile befeuert.

Als Beweis für seine These führte Demuth den Schuhhändler Hamm-Reno an, der es nach einem Jahr geschafft hat, sein Filialgeschäft per Social Business Collaboration sehr viel näher an die Zentrale zu bringen und sehr viel reaktionsfähiger gemacht hat. Der Online-Drucker und Foto Finisher cewe hat dank moderner Analyticslösungen die Conversions-Rate von passiven in aktive Kunden um 10 Prozent verbessert. Und last, but not least erzielt der Modehändler Ernstings familiy durch ein transparentes Multichannel-Konzept 30 Prozent mehr Umsatz. Vereinfacht gesagt, nutzt er seine Ladengeschäfte als Abholungsadresse für online gekaufte Waren und generiert so zusätzliche Umsätze.

Der Herzschlag digitaler Unternehmen ist die Technologie

Auch Frank Ridder, Managing Vice President IT Services von Gartner, stellte in seinem Vortrag die Zusammenhänge zwischen den vier technischen Trends Cloud Computing, Social, Mobile und Information (Gartners Bezeichnung für Big Data und Analytics) ins Zentrum seines Vortrags. Dabei bilden die Abhängigkeiten zwischen diesen Trends, die Gartner als „Nexus of forces“ bezeichnet, nur die technische Grundlage. Die Power entwickle sich aus der Kombination der genannten Technologien in Verbindung mit einer klaren Vorstellung, die Unternehmen von ihrer digitalen Zukunft entwerfen.  „Der Herzschlag des digitalen Unternehmens ist Technologie“ postulierte Ridder. Als Beipiele von Firmen, die entweder den Weg zum digitalen Unternehmen bereits beschritten haben oder bereits digitale Organisationen sind, nannte der Gartner-Mann, den App basierten Taxiruf mytaxi, das Online-Modehaus für Männer modomoto sowie die britische Ladenkette Tesco.

„Begleitetes Online-Einkaufen“ dank Web und Cloud

 mytaxi sei ein perfektes Beispiel für die Businesskraft, die sich aus der Kombination von Cloud, mobile und social entwickeln kann. Die App läuft auf smartphones, sie residiert in der Cloud und Taxikunden können den Service interaktiv bewerten.

 Modomoto bietet sogenanntes „curated shopping“ auf Deutsch übersetzt könnte man das Konzept „begleitetes Einkaufen“ nennen. Vor allem Männer ohne „Shopping Gen“ führen vor dem ersten Online-Einkauf ein Beratungsgespräch mit einem Modeexperten, in dem Stilfragen, Marken und bevorzugte Materialien besprochen werden. Darauf stellt der Experte eine Einkaufsbox zusammen, die er dem Kunden schickt. Der wiederum sucht sich, ähnlich wie im Laden, die Stücke aus, die ihm gefallen. Den Rest schickt er sehr komfortabel zurück.  Online-Berater und System lernen nach mehreren Einkäufen die persönlichen Vorlieben ihrer Kunden ähnlich genau kennen, wie der bevorzugte Verkäufer beim örtlichen Herrenausstatter. Für diese perfekte Mischung aus Online-Einkauf und persönlicher Beratung ist auf der einen Seite eine genaue Analyse des Einkaufsverhaltens nötig und auf der anderen Seite eine skalierbare Infrastruktur, wie sie am besten die Cloud bereitstellt.

Umsatzanstieg dank Online-Tube-Shopping

 Das Beispiel Tesco zeigt, wie ein Betreiber von realen Supermärkten die virtuelle Welt nutzen kann. Tesco eröffnete im letzten Herbst in einer U-Bahn-Station im südkoreanischen Seoul einen virtuellen Supermarkt.  Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um große Werbetafeln, die Supermarktregalen nachempfunden sind. Die dargestellten Produkte sind mit Preisangabe und QR-Code versehen, die die Kunden mit ihren Smartphones scannen und in ihren elektronischen Warenkorb legen können. Wird die Bestellung übers Web abgeschlossen, wird die Ware noch am gleichen Tag dem Kunden ins Haus geliefert. Hier verbinden sich Web- und Mobile-Technologien  zu gegenseitigem Nutzen von Käufer und Verkäufer. Der Käufer kann die langweilige Wartezeit zum Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs nutzen und der Verkäufer erhöht seinen Online-Umsatz dramatisch.

FC Bayern München – Fussball-Club mit angeschlossenem Medienhaus

 Ein Anwendungsunternehmen der besonderen Art stellt sicher der FC Bayern München dar. Deutschlands 1. Fussballadresse stellt nicht nur höchste Ansprüche an seine Spieler, sondern auch an seine Online-Plattformen und Systeme. Was genau die „Bayern“ mit diesen treiben, schilderte Stefan Mennerich, Direktor Medienrechte neue Medien und IT des Clubs. Eine Zahl schon mal vorweg: Der Verein erzielt dank seiner verschiedenen Online-Plattformen, der intensiven Nutzung sozialer Netze und eines eigenen Internet-Fernsehsehnders E-Commerce Umsätze von rund 4 Millionen Euro – pro Monat. Laut Mennerich erzielt der mindestens ebenso erfolgreiche und bekannte spanische Fußball-Verein FC-Barcelona eine ähnliche Summe allerdings pro Jahr.

 

Das digitale Business Modell des FC Bayern München basiert auf dem eigenen Content und stellt den Fan als Adressaten in den Mittelpunkt. (Quelle: FC Bayern München)

Das digitale Business Modell des FC Bayern München basiert auf dem eigenen Content und stellt den Fan als Adressaten in den Mittelpunkt. (Quelle: FC Bayern München)

Dank seiner 25 verschiedenen Websites, Social Media Auftritte und Mobile-Plattformen verzeichnet der FC Bayern pro Monat rund 902 Millionen Seitenaufrufe pro Monat. Zu Recht bezeichnet Mennerich diese Aufrufe als „Touchpoints“, sorgen sie doch dafür, dass Fans mit Spielern in Kontakt kommen und Sponsoren mit Fans. Allein den verschiedenen Social Media Plattformen folgen rund 13,5 Millionen Fans –  9,2 Millionen davon allein via der drei Facebook-Auftritte. Aufgrund dieser deutlichen Präsenz bezeichnet der Direktor Medienrechte und IT seinen Club zwar noch „in erster Linie als Fussballclub“ aber in zweiter Linie sei man bereits Medienhaus. An dieser Stelle können die Teilnehmer des Kongresses auch unschwer erkennen, warum Mennerich auch für Medienrechte innerhalb des Vereins verantwortlich zeichnet. Um Online eine solche Präsenz zu erreichen, die neben dem Verein auch den Sponsoren zugute komme „brauchen wir Content, Content, Content und die Rechte daran“. Die Kanäle, über die die Inhalte den Zuschauer erreichen seien letzlich austauschbar.  Zu 35 bis 40 Prozent werde auf die Inhalte übrigens bereits von mobilen Devices aus zugegriffen.

Don´t be lame

Der eigene Content versetzt die „Bayern“ in die Lage, ein eigenes digitales Geschäftsmodell zu verfolgen, dass zur Realisierung der Clubziele erheblich beitrage: Es gehe um Branding & Internationalisierung, Sponsoring, Merchandising und weltweite online TV-Angebote. Um den Fans zielgenaue Angebote machen zu können, speichert und segmentiert der FCB die Daten außerdem in einem eigenen CRM-Datawarehouse, das Mennerich als den Enabler des digitalen Business Modells bezeichnet.

Teddy Goff auf der IBM Business Connect in Mannheim. Das Motto des Obama Wahlkampf-Beraters: "Don´t be lame".

Teddy Goff auf der IBM Business Connect in Mannheim. Das Motto des Obama Wahlkampf-Beraters: „Don´t be lame“. (Quelle: IBM)

Doch mit wie vielen Online- und Social-Media-Kanälen Unternehmen ihre Kunden auch immer bedienen mögen, eine andere Herausforderung muss jede Organisation meistern, die sich den digitalen Welten stellen will:  „Social is presenting a big business challenge – because you really have to do better not only to market better. “ Diesen nachdenkenswerten Satz sagte Teddy Goff im Abschlussvortrag des ersten Abends, in dem er sehr anschaulich erklärte, wie er mit Hilfe seines Teams den extrem erfolgreichen digitalen Wahlkampf für US-President Barack Obama  gestaltete.  Und noch etwas gab Goff den Teilnehmern mit auf den Weg: „Don´t be lame.“

In den folgenden Wochen präsentieren wir in Berichten und Interviews weitere Anwenderbeispiele, die auf der Business Connect gezeigt wurden.

 

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