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Wie das Internet der Dinge die Welt verändert

Pew Research hat 1600 Experten aus den verschiedensten Bereichen gefragt, wie das Internet der Dinge die Welt bis zum Jahr 2025 verändern wird. Herausgekommen ist keine voluminöse Statistik, sondern bedenkenswerte, manchmal auch lustige Einschätzungen, die die Autoren unter 6 generellen Thesen zusammengefasst haben – ein hoffentlich exemplarischer Auszug.

Der politisch unabhängige und gemeinnützige amerikanische Think Tank Pew Research hat gemeinsam mit der Elon Universität (North Carolina)1600 Experten zur Zukunft des Internet der Dinge und der Entwicklung des Wearable Computing befragt. Die Analyse dieser Aussagen „Digital Life in 2025: The Internet of Things will thrive by 2025“ ist Teil einer eine Reihe von Berichten über die Zukunft des Web, die im Laufe dieses Jahres anlässlich des 25 jährigen Bestehens des World Wide Web von Pew veröffentlicht werden.

Ganz knapp zusammengefasst erwarten die Experten, dass das Internet der Dinge in verschiedenen Lebensbereichen eine Rolle spielt:

  • Am Körper: Viele Leute tragen Devices, die sie mit dem Internet verbinden und ihnen Feedback über Tätigkeiten (zum Beispiel Sport), Gesundheit und ihre Fitness geben.  Mit Hilfe dieser tragbaren Devices werden sie andere beobachten (Mitarbeiter, Kinder) köönnen, die entweder selbst solche Devices tragen oder sich an Orten aufhalten, die mit Sensoren ausgestattet sind.
  • Zuhause:  Leute werden fast alles aus der Ferne kontrollieren und steuern können, Heizung, Bewässerung, Schlösser und anderes. Außerdem werden dieWhonstätten mit einer vielzahl von Sensoren ausgestattet sein, die melden,in welchen Systemen Fehler aufgetreten sind.
  • Gemeinden: Eingebettete Devices und Smartphone Apps werden den öffentlichen Verkehr effektiver machen und Umweltdaten permanent anzeigen. „Smarte Systeme“ können Elektrizität und Wasser deutlich effizienter liefern und vor Störungen der Infrastruktur warnen.
  • Produkte und Services: Fabriken und Lieferketten werden Sensoren und Lesegeräte aufweisen, mit denen sich Material und Rohstoffe besser verfolgen lassen und ihre Lieferung beschleunigt werden kann, um die Produktion und Verteilung von Gütern besser anpassen zu können.
  • Umwelt: Von Feldern, Wäldern, Ozeanen und Städten werden in Echtzeit Daten über Verschmutzungsgrade, Bodenfeuchte und Ressourcenentnahmen zur Verfügung stehen, die eine genauere Beobachtung und damit kürzere Reaktionszeiten bei Störungen ermöglichen.

Aber was haben die allgegenwärtigen, digitalen Devices für Auswirkungen, werden es positive Konsequenzen sein oder überwiegen die negativen Dinge? Die Autoren der Studie stellten folgende konkrete Frage:

Wird das Internet der Dinge – also die Vernetzung von Milliarden Devices, Artefakten und Zubehör – bis 2025 weit verbreitete positive Auswirkungen auf die Bevölkerung haben?

 83 Prozent der Experten antworteten mit „ Ja“ und 17 % mit „Nein“. Die Begründungen ihrer Antworten lassen sich in 6 Thesen  zusammenfassen:

These 1: Das Internet der Dinge und Wearable Computing werden sich bis 2025 signifikant weiterentwickeln.

Viele der Befragten sind davon überzeugt, dass diese Entwicklung viele Vorteile bringt, eine kleine Minderheit sieht keine Vorteile und eine weitere große Gruppe sieht beide Seiten der Medaille: Der technische Fortschritt werde auch Probleme erzeugen. Allerdings gehen auch die Skeptiker davon aus, dass die Zahl der vernetzen Objekte stark ansteigen wird.

J.P. Rangaswami, Chefwissenschaftler bei Salesforce.com, gab folgendes zu Protokoll: „ Im Endeffekt wird weniger verschwendet: In Güterströmen und Logistik, in der Bewegung von Leuten und Waren, in logischen und logistischen Ketten, im Strom von Ideen und Informationen; bessere Entscheidungen werden schneller getroffen, auf Basis genauerer Informationen, frühere Fehler in Schlussfolgerungen und Planungen können effektiv korrigiert werden.“  Den Zukunftsforscher und Managing Director von Discern Analytics, Paul Saffo, zitiert die Pew-Studie ebenfalls: „Der Trend geht weg vom Alleskönner-Device und hin zu mehreren Devices mit überlappenden Funktionen die vor allem mit jedem anderen unserer Devices in Beziehung stehen.“

Laurel Papworth, ebenfalls befragter Social Media Ausbilder, sieht die Sache dagegen eher kritisch: „Jeder Aspekt unseres Lebens wird quantifizierbar und ewig (erhalten bleiben). Wir werden unsere Entscheidungen vor der Gemeinschaft rechtfertigen müssen. (…) Wenn wir zum Beispiel das Fitnessstudie schwänzen, twittern unsere Schuhe das automatisch an das Peer-to-Peer-Netzwerk des Versicherers, der entscheidet, ob er unsere Prämie erhöht.“

Für andere Befragte, fallen die Vorteile des Internets der Dinge sehr viel kleiner aus, als die Anlysten heute annehmen. „Wenn die Vorteile im nächsten Jahrzehnt so groß wären, müssten sie sich heute schon abzeichnen“, so der Tenor dieser Äußerungen.

These 2: Die tatsächlichen Gegebenheiten einer so Daten durchtränkten Welt erwecken erhebliche Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Fähigkeit der Menschen, ihr eigenes Leben zu bestimmen. Wenn alltägliche Aktivitäten beobachtet werden und Menschen ständig Informationen generieren, nehmen Profilierung und genaue Zielgruppenansprache zu und verstärken so soziale, ökonomische und politische Auseinandersetzungen.

Nick Wreden von der technischen Universität Malaysia in Kuala Lumpur schrieb dazu an die Pew-Analysten: „Es wird absolut keine Privatheit mehr geben, nicht einmal im Dschungel weit ab von jeder Zivilisation. Ich mag das nicht. Aber die Leute haben immer wieder gezeigt, dass sie ihre Seele jederzeit für einen 1-Dollar-Gutschein eintauschen würden.“  Frank Pasuale, Jura-Professor an einer großen amerikanischen Uni befürchtet: „(…)Es wird eine kleine Gruppe von Beobachtern und eine sehr viel größere Gruppe von Beobachteten geben, mit denen experimentiert wird.“ Angesichts der großen Flut von Devices, macht sich auch Psychotherapeut Aaron Balick sorgen um die Unabhängigkeit unseres Denkens: „Die positiven Auswirkungen könnten geschmälert werden durch eine größere Abhängigkeit von entscheidungsunterstützenden Technologien, die ihre Entscheidungen nicht nach menschlichen Maßstäben treffen, sondern auf Basis von Algorithmen (…) Wir könnten unser eigenes Wollen und Wünschen aus dem Auge verlieren, so wie viele dieser Autofahrer, von denen wir alle schon gehört haben. Sie geraten an völlig abwegige Orte, weil sie ihren Navigationssystemen mehr glauben als ihren eigenen Wahrnehmungen.“

These 3  Die Mensch-Maschine-Schnittstelle wird sich weiterentwickeln vor allem im Bereich Sprach und Berührungssteuerung. Nur wenige erwarten, dass 2025 eine direkte Gehirn-zu-Netzwerk-Verbindung alltäglich sein wird.

Dieses Thema wird unter den Experten  kaum kontrovers diskutiert, aber die Entwicklung bis zur perfekten Mensch-Maschine-Schnittstelle humorvoll beschrieben. Paul Jones, Gründer von ibiblio.org: „Heute wirken wir wie Kung-Fu-Kämpfer ohne sichtbare Gegner, aber schon bald werden wie die Unzulänglichkeiten des persönlichen Interfaces mit einer Mischung aus Gesten- und Stimmbefehlen beseitigt haben.“

These 4: Es wird ungewollte und komplexe Konsequenzen geben. Wir werden in einer Welt leben, in der viele Dinge nicht funktionieren und niemand weiß, wie man sie repariert.

Jerry Michalski, Gründer der Relationship Ecomomy eXpedition schrieb an Pew: „Das Internet der Dinge ist zu komplex. Es wird immer wieder zusammenbrechen. (…) Die Devices werden häufig Unerwünschtes tun, für das sie niemand entworfen hat. Wir sind als Spezies und als Gesellschaft nicht weit genug entwickelt, um Apps und Services zu schaffen, die der Menschheit im Internet der Dinge nützen.“

These 5: Die Unvernetzten und diejenigen, die sich nicht vernetzen wollen, könnten entrechtet werden. Bedenke die Auswirkungen der digitalen Teilung.

K.G. Schneider, ein Universitätsbibliothekar bringt die Befürchtungen hier stellvertretend auf den Punkt: „Ich boykottiere diese Devices nicht, ich finde sie interessant und wichtig. Aber genauso wie Studenten heute benachteiligt sind, wenn sie Zuhause keinen Internetzugang haben – wird sich die Erwartung entwickeln, dass Menschen, um ihr Leben erfolgreich zu gestalten, mit teurem Rüstzeug ausgestattet sein müssen. (…) Wenn sich die digitale Teilung verstärkt, befürchte ich, dass Menschen ohne solche Devices immer unsichtbarer und schließlich nicht mehr als vollwertige Menschen gesehen werden.“

These 6: Die Reaktionen von Menschen und Organisationen auf das Internet der Dinge werden die Beziehungen zwischen Menschen und Gruppen umformen.

Bryan Alexander, Senior Fellow am National Institute for Technology in Liberal Education, schreibt dazu folgendes:  „Erstens sollen wir die Macht der Bequemlichkeit nicht unterschätzen. Wearable Computing vereinfacht die Dinge für Nutzer und das kurbelt die Verbreitung an. Zweitens können alteingesessene und neue Firmen durch das Internet der Dinge viel gewinnen, zum Beispiel von Kundendaten und darauf basierenden Services. Rechnen Sie mit Leuten, die in fahrerlosen Autos mit ihren persönlichen Einkaufsassistenten (wahrscheinlich künstliche Intelligenzen) über ihre Armbänder oder Brillen kommunizieren, während Unternehmen Dank Echtzeitdaten um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Drittens werden wir anders miteinander umgehen, uns mehr verändern. (…) Unser tiefes Bedürfnis nach Unterhaltung und Vernetzung wird zur Akzeptanz dieser Devices führen. Jüngere werden den Weg weisen. Unser Wille zur Kreativität lässt uns nach solchen einsatzfähigen Objekten gieren. Selbstverständlich wird es Rückschläge geben. Wir haben das schließlich schon mit den „Glassholes“ erlebt. Erwarten Sie mehr Neo-Ludditen, die sich nach Computern sehnen, wie sie sein sollten – mit Tastaturen.“

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