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IT-Einkauf in der Cloud: Ausrichtung auf langfristige Verträge bringt wenig Flexibilität und Innovation

Mit rund 6,1 Mrd. Euro werden deutsche Unternehmen im Jahr 2014 schon rund 7% ihrer IT-Budgets für Cloud Technologien, Services und Integration ausgeben. Welche Rolle spielen die sogenannten Cloud-Ökosysteme und Cloud-Marktplätze im Rahmen der Strategiebildung und des Cloud-Sourcing heute und zukünftig? Mit welchen dieser neuen Beschaffungsoptionen sollten sich CIOs und IT-Einkaufsmanager heute intensiver beschäftigen?

Dr. Carlo Velten ist Mitbegründer und Chefanalyst des jungen Research-Unternehmens Crisp Research. info@crisp-research.com

Dr. Carlo Velten ist Mitbegründer und Chefanalyst des jungen Research-Unternehmens Crisp Research. info@crisp-research.com

von Carlo Velten, CrispResearch

Egal ob IaaS, SaaS oder PaaS – die verschiedenen Spielarten des Cloud Computing sind mittlerweile mitten in der IT angekommen. Aus kleinen Pilotprojekten werden unternehmensweite Transformationen. Eigene Private Clouds werden etabliert und eine ganze Reihe externer Cloud-Dienste bezogen. So stellt sich für viele CIOs und IT-Einkaufsmanager derzeit die Frage, wie sich die Beschaffung und Integration der verschiedenen Cloud-Leistungen optimieren lässt. Und dies ist weitaus schwieriger als man glauben mag, da sich nicht nur die Anzahl der internen Cloud-Nachfrager (Fachabteilung, Entwickler, RZ-Management etc.), sondern auch die Anzahl der Bezugsoptionen deutlich erweitert hat. Die Vielzahl an Cloud-Plattformen, Cloud-Ökosystemen und neuerdings auch Cloud-Marktplätzen wirbelt in vielen Unternehmen die klassischen IT-Einkaufsprozesse durcheinander. Doch wie lassen sich die neuen Cloud-Sourcing-Optionen nutzen, ohne die eignen Einkaufsprozesse komplett auf den Kopf zu stellen?

Standardisierung vs. Preisdynamik und Innovation

Die Cloud-Umgebungen, die momentan in deutschen Unternehmen entstehen, zeichnen sich durch mehrere Merkmale aus. Sie sind vor allem komplex, da sie sich über verschiedene Betriebsmodelle, Technologien und vor allem Anbieter erstrecken. Selbst in kleineren und mittelständischen Unternehmen sind mittlerweile durchschnittlich mehr als 5 Cloud-Anbieter (meist im Bereich SaaS) im Einsatz. In weitverzweigten Großunternehmen steigt diese Anzahl leicht auf 20 und mehr unterschiedliche Cloud-Provider. Das stellt IT-Strategen und IT-Einkäufer vor ernsthafte Herausforderungen. Wie können in einem dynamisch wachsenden Portfolio die unternehmensintern beschlossenen IT-Standardisierungsvorhaben aufrecht erhalten und erfolgreich umgesetzt werden? Problematisch ist, dass sich im Cloud-Markt bislang erst wenig feste Standards etabliert haben. Auch Initiativen, wie das Open Source-basierte Cloud-Management-Framework OpenStack, stecken derzeit noch in den Kinderschuhen. Dementsprechend verschlingt die Integration verschiedener Cloud-Dienste und –Infrastrukturen auf Anwenderseite derzeit noch einen Großteil der Budgets. Das macht den „Vendor Lock-In“ für viele CIOs zu einem echten Problem.

Zudem ist die Vergleichbarkeit der angebotenen Leistungen und SLA meist dadurch erschwert, dass die Cloud-Provider die Performance ihrer Cloud-Plattformen unterschiedlich beschreiben und definieren. Eine Compute-Einheit auf der Amazon AWS-Plattform entspricht also nur bedingt derjenigen auf der Microsoft-Azure-Plattform. Ein Mangel an Transparenz ist definitiv zu konstatieren, was in der Praxis zu langwierigen und kostspieligen Planungs- und Ausschreibungsverfahren führt.

Neben diesen erschwerten Rahmenbedingungen, die sich aber sukzessive verbessern, müssen IT-Einkäufer und CIOs noch weitere differenzierende Überlegungen anstellen, wenn sie die Cloud-Sourcing-Strategie für ihr Unternehmen festlegen. Maßgeblichen Einfluss auf die Sourcing-Entscheidungen haben:

  • Typ des Cloud-Dienstes (IaaS, PaaS, SaaS)
  • Fristigkeit der Vertragsbindung bzw. der Bereitstellung (kurzfristig versus langfristig)
  • Bezugsmodell (direkt versus indirekt)

Da die internen Cloud-Anwender immer stärker nach flexiblen Bezugsoptionen für IaaS-/PaaS-Plattformen verlangen und Fachabteilungen – berechtigterweise – die Nutzung von SaaS-Anwendungen anstreben, muss sich auch das IT-Sourcing wandeln. Die primäre Ausrichtung an langfristigen Verträgen und die Konsolidierung des Provider-Portfolios kann nicht die Antwort auf die Frage nach mehr Flexibilität und neuen, innovativen Lösungen sein.

 IT-Einkauf 2020 – Die neue Vielfalt

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Crisp Research CIOs und IT-Einkaufsmanagern ihre Prozesse und Organisation auf folgende Szenarien vorzubereiten bzw. folgendermaßen vorzugehen:

  • „Cloud Core“ – Definition der unternehmensinternen Cloud-Architektur- und Standards als feste Bezugsgröße bzw. Referenzpunkt für das Sourcing und die Integration weiterer Dienste (Kern der hybriden Cloud-Landschaft)
  • „Multi-Cloud“ Sourcing-Framework, das den Bezug und die Anbindung externer Cloud Services regelt (APIs, User & Identity Management, Budgeting & Freigaben etc.)
  • „Tactical Sourcing“ – Taktischer Einkauf von Commodity IaaS-Kapazitäten für unkritische Workloads, um von Kosten-/Preiseffekten zu profitieren
  • „Cloud Shopping Mall“ Bereitstellung neuer Sourcing-Optionen für interne Anwender über Self Service-Portale z.B. über Enterprise App Stores oder den Zugang zu Marktplätzen wie Deutsche Telekom Business Marketplace (SaaS) oder Deutsche Börse Cloud Exchange (IaaS).

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