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„IT schafft Mehrwerte mit Digitalisierung“

Foto: Kärcher

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IT Rebellen sprach mit Matthias Mehrtens, Vizepräsident Information Systems des schwäbischen Weltmarktführers Kärcher. Mit seinen Reinigungssystemen ist der mittelständische Maschinenbauer in 60 Ländern der Welt vertreten. Er verkauft seine ca. 3000 verschiedenen Produkte und begleitende Services an Profis und private Endkunden. Kärcher stellt sich der digitalen Transformation und bietet erste digital erweiterte Produkte und Services an. Obwohl Mehrtens bescheiden betont, dass man erst am Anfang stehe, sind das Bewusstsein für die anstehenden Veränderungen und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema bei Kärcher beispielhaft.

?: Welche Rolle spielt das Thema Digitalisierung bei Kärcher und wie weit beeinflusst das die Innovationsaktivtäten Ihres Unternehmens?

Mehrtens: Wie bei fast allen Unternehmen im Maschinenbau ist auch bei der Kärcher IT Digitalisierung eines der Top-Themen. Angefangen haben wir damit im Profi-Bereich. Wir haben begonnen, unsere professionellen Reinigungsgeräte mit Telematik-Bausteinen auszustatten und damit die Ära der Digitalisierung bei der Kärcher IT eingeläutet. Unter der Bezeichnung Kärcher Fleet bieten wir Kunden an, sie mit Informationen wie Betriebszuständen der Geräte, Location- und ähnlichen Daten zu versorgen, damit sie ihre Geräte-Flotten besser managen können. Zurzeit statten wir immer größere Teile unserer Produktpalette mit den Telematik-Bausteinen aus und rollen sie auch international aus.

Im Privatsegment wollen wir anders vorgehen. Bei den preiswerten Geräten lohnt es sich nicht, in jedes Gerät komplexe elektronische Komponenten einzubauen. Da entwickeln wir zurzeit erste Ideen und denken über Home-Konzepte nach.

?:  Wie kommen die Nutzer im Profibereich an die Daten ihrer Geräte?

Mehrtens: Wir unterhalten ein zentrales Web-Portal, auf das die Nutzer des Kärcher Fleet Services gesichert zugreifen können. Dort können sie sämtliche übertragenen Daten ihrer Geräte sehen und verschiedene Auswertungen fahren – aber selbstverständlich nur die bei ihnen registrierten Geräte.

?: Kärcher ist in verschiedene Geschäftsbereiche gegliedert. Über die ersten Digitalisierungsanstrengungen haben wir bereits kurz gesprochen. Welche digitalen Aktivitäten entwickeln sie im Servicesektor?

Mehrtens: Wir bieten unseren Kunden bereits heute vereinfachte Schadensmeldung via App an. Das erleichtert dem Kunden nicht nur die Kommunikation, sondern macht auch den Field-Service effektiver. Da er sehr viel früher und detaillierter über aufgetretene Schäden oder Funktionsstörungen informiert wird, kann er sich eher vorbereiten und die Störungen schneller beheben. Auch über den Fortschritt bei der Reparatur ihrer Geräte informieren wir unsere Kunden inzwischen digital.  Das ist allerdings erst der Anfang. Wir sind dabei, weitere digitale Services zu entwickeln. Der IT Bereich unterstützt diese Aktivitäten.

?: Was hat die Digitalisierung bei der Kärcher IT ausgelöst und was treibt die heutige Weiterentwicklung?

Mehrtens: Auslöser waren zum einen Marktbeobachtungen und zum anderen Befragungen. Daraufhin haben wir die ersten Geräte mit den Telematik-Bausteinen ausgestattet. Jetzt gehen wir in die Breite und wollen internationalisieren. Da Kärcher in vielen Ländern der Welt vertreten ist, brauchen wir dazu allerdings Partner, die unsin Sachen IT Infrastruktur unterstützen können.

?: Wer sind bei Kärcher die Protagonisten der Digitalisierung?

Mehrtens: Bei der Entwicklung digitaler Lösungen arbeiten IT und Produktentwicklung eng zusammen. IT unterstützt dabei. Die Orchestrierung aller digitalen Aktivitäten erfolgt gebündelt und zentral.

?: Nutzt Kärcher die Betriebsdaten der Geräte selbst auch?

Mehrtens: Im Sinne der Kundenunterstützung ja. Damit optimieren wir das Portal und können dem Kunden genau die Anwendungsdaten anbieten, die ihn interessieren.

?: Wie groß ist das Datenvolumen, das sie verarbeiten müssen?

Mehrtens: Kärcher hat mehrere Tausend verschiedene Produkte. Da kommen wir also schon bei zunehmender Digitalisierung sukzessive in die Massendaten-Dimension.

?: Vermeiden Sie den Begriff Big Data bewusst?

Mehrtens: Nein. Das lässt sich glaube ich auch nicht nur über die Datenmenge definieren. Wir wollen die Daten aber definitiv nutzen, um unsere Lösungen noch kundenorientierter zu entwickeln. Von daher bereiten wir uns zumindest auf Big Data und Advanced Analytics vor und die von uns verarbeiteten Datenmengen wachsen stetig.

?: Investiert Kärcher neben der Produkt- und Service-Digitalisierung auch in Prozess-Digitalisierung?

Mehrtens: Wir setzen uns zurzeit intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 auseinander. Hier gibt es wie in vielen anderen Firmen auch bei Kärcher noch viel Potential.

?: Wie stuft sich Kärcher in Sachen Digitalisierung selbst ein? Anfänger oder Fortgeschrittener?

Mehrtens: Der Digitalisierungsgrad unserer Produkte und Services lässt sich noch ausbauen. Wir sind aber sehr gut gestartet.

?: Andere mittelständische Unternehmen haben das Thema Digitalisierung noch nicht oder nur halbherzig aufgegriffen. Woher resultiert die hohe Sensibilisierung bei Kärcher?

Mehrtens: Das hat sicher mit unserer Kundennähe zu tun sowie dem Life Cycle und Innovationsgrad unserer Produkte, der für 90 Prozent bei unter fünf Jahren liegt.

Ein weiterer Grund für unsere Aufmerksamkeit ist natürlich auch die Differenzierung vom Wettbewerb. Digitalisierung ist hier eine Chance.

?: Sie arbeiten eng mit Amazon Web Services zusammen. Wie wichtig sind solche Cloud-Partner für die Digitalisierungsstrategie von Kärcher?

Mehrtens: Stichwort IT der 2 Geschwindigkeiten. Die digitalen Services, die wir zusätzlich bereitstellen, müssen schnell und weltweit skalierbar sein. Wenn wir diese Dinge in USA, Australien oder Asien ausrollen, brauchen wir eine flexible Infrastruktur, die uns das ermöglicht.

Auch wenn uns Märkte wegbrechen, müssen wir ebenso schnell wieder kleiner werden können. Wir müssen zum Beispiel unsere Websites weltweit ausliefern. Wenn wir das aus einem zentralen Rechenzentrum machen würden, wären die Ladezeiten viel zu hoch.

Da ist eine verteilte globale Infrastruktur schon sehr hilfreich, die uns AWS mit den entsprechenden Content-Delivery-Networks anbietet. Auch die Bereitstellung zusätzlicher Rechen- und Storage-Kapazitäten funktioniert sehr viel schneller, als wenn wir das klassisch erledigen würden. Wir nutzen AWS im Sales- und Service-Bereich, da haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

?: Das ist Public Cloud. Haben Sie keine Sicherheits- und Compliance-Bedenken, die viele andere CIOs vor der Public Cloud zurückschrecken lassen?

Mehrtens: Wir haben ein Risk-Assessment zu unserem bestehenden Cloud-Engagement machen lassen. Je sensibler die Daten, desto höher ist der Schutzbedarf. Unter anderem erreichen wir das Schutzniveau durch sehr hochwertige Verschlüsselung.

?: Wie viel Prozent der Kärcher-IT ist in der Cloud?

Mehrtens: Zurzeit nutzen wir 172 Server bei Amazon. Circa 15 Prozent unseres gesamten Volumens wickeln wir heute über Cloud ab. Wir wollen das stetig steigern.

About Christoph Witte

Christoph Witte arbeitet als IT-Publizist und Kommunikationsberater in München. Seit langem ist er fester Bestandteil der IT-, TK und Online-Community in Deutschland.

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