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Gartners Top 10 Technology Trends: Vom Digital Mesh zu IoT-Plattformen

15_10_08Delorean Flickr

Bei aller Zukunftsmutigkeit der Gartner-Analysten. Dass wir demnächst in einem funktionierende De Lorean die Begrenzungen der Zeit überwinden werden, sagen sie nicht voraus. Dafür aber beispielsweise neuromorphe Architekturen.

Foto: Brian Snelson

 

 

Anlässlich des Gartner Symposiums in Orlando hat das Analystenhaus die seiner Ansicht nach Top 10 strategischen Technologietrends für 2016 veröffentlicht. Im Zentrum steht wenig überraschend die Vernetzung der physischen mit der digtialen Welt. Gartner nennt diese Vernetzung- marketingtechnisch äußerst elegant – the Digital Mesh. Aber die Analysten wären das Geld ihrer Kunden nicht wert, wenn sie nicht bereits heute über den digitalen Tellerrand blicken würden. Deshalb sehen sie nach dem Digital Business, bereits das Algorithmic Business heraufziehen, in dem Beziehungen und gegenseite Verbindungen die bestimmenden Elemente sind.   Die kursiven Textbestandteile sind kommentierend.

 1.Das Device Mesh


Diese Netz von Geräten bezieht sich auf die wachsende Zahl von Devices, die Zugriff bieten zu Applikationen und Informationen oder Interaktionen zwischen Menschen, Communitites, Unternehmen und Behörden ermöglichen. Bestandteil des Device Mesh sind auch mobile Endgeräte, Wearables sowie Konsumenten- und Geräte für das elektronische Heim. Außerdem gehören selbststeuernde Geräte und Umwelt wahrnehmende Devices dazu, zum Beispiel Sensoren im Internet of Things. Dabei sieht Gartner Vice President David Cearley mobile Nutzer voraus, die “ von einem Device-Verbund umgeben sind, der weit über die Fähigkeiten bisheriger mobiler Geräte hinausreicht“. Mit der Entwicklung des Device Mesh werden auch neue Methoden entstehen, damit Geräte sich direkt miteinander verbinden und interagieren können.

2. Ambient User Experience


Das Device Mesh schafft die Grundlage für ein kontinuierlich andauerndes und umfassendes Nutzererlebnis. Dabei bilden augmented und virtual reality nur einen Aspekt dieses Nutzererlebnisses. Und jetzt wieder so ein begnadeter Gartner-Satz: „Die ambient user experience funktioniert über die Grenzen von Device Mesh, Zeit und Raum hinweg.“ Da fragt man sich doch, ob sich die Herrn Analysten nicht beim Formulieren kaputt lachen. Aber wahrscheinlich arbeiten sie mit todernster Miene, weil sie tatsächlich ein bisschen so rüberkommen wollen, wie das Orakel von Delphi. Das hat ja auch immer streng nach dem Motto gehandelt: Prognosen, die jeder verstehen kann, sind nichts wert. Wer nicht glaubt, dass Gartner tatsächlich solche Sätze in die Welt setzt, hier das Zitat im Original:“ The ambient user experience preserves continuity across boundaries of device mesh, time and space.“ Gnädigerweise erklärt uns Gartner noch, was damit gemeint ist: Diese umfassende Nutzererfahrung soll tatsächlich über verschiedene Devices, virtuelle und physische Interaktionskanäle funktionieren, während sich der Nutzer zwischen verschiedenen Umgebungen bewegt.

3. 3D Printing Materials


Fortschritte im 3D Drucken erlauben heute die Verwendung vieler verschiedener Materialien wie Nickelverbindungen, Kohlefasern, Glas, leitfähige Tinte oder auch pharmazeutische und biologische Materialien. Die Innovationen in diesen Bereichen treiben die Nachfrage. Eingesetzt wird 3D-Drucken in immer mehr Bereichen wie Flugzeugbau, Medizin, Automobilindustrie, Energiewirtschaft und natürlich beim Militär. Die unterschiedlichen  Materialien und Einsatzbereiche führen laut Gartner im 3-D-Druckbereich zu jährlichen Wachstumsraten von rund 64 Prozent bis 2019. Die immer weitere Verbreitung dieser additiven Produktionsmethoden (aka 3 D Printing) wird auch zu einer Überprüfung bestehender Produktionsstraßen und Lieferketten führen.

4. Information of Everything


Jedes Element im Digital Mesh produziert, nutzt und überträgt Informationen. Diese Informationen gehen über den Austausch von Text, Audio und Video hinaus und beinhalten auch Sensor- und Umgebungsdaten. Dabei geht es um Strategien und Technologien, um diese vielen unterschiedlichen Datenquellen zu verbinden, nutzbar zu machen und auszuwerten.

5. Advanced Machine Learning


Im Advanced Machine Learning kreieren laut Gartner Deep neural nets (DNNs) Systeme, die selbständig lernen können, die Welt wahrzunehmen.  Die explosionsartige Vermehrung der Datenquellen und der zunehmenden Komplexität von Information mache eine manuell Klassifikation und Analyse der Daten unmöglich und unökonomisch. DNNs würden diese Aufgabe automatisieren und so die Herausforderungen des Information of Everything lösen helfen. Explosionsartige Vermehrung von Datenquellen stimmt sicher, aber  DNNs klingen für mich noch sehr nach Science Fiction. 

6. Autonomous Agents and Things


Machine learning ermöglicht ein ganzes Spektrum smarter Maschinen wie Roboter, autonome Fahrzeuge, Virtual Personal Assistents (VPA) und smarte Ratgebers (Smart Advisors), die allesamt selbständig oder zumindest halbautonom agieren.  Dabei werden sich die Software basierenden smarten Maschinen viel schneller auswirken als die Hardware basierenden. VPAs  wie Google Now, Microsofts Cortana und Apple´s Siri werden zunehmend schlauer und können als Vorläufer von autonomen Agenten gelten. Letztere werden vor allem in Zusammenhang mit der Ambient User Experience  zum wichtigsten User Interface. Anstatt in Menüstrukturen und an Knöpfen von Smartphones herumzufingern, sprechen die Nutzer mit einer App, hinter der sich ein intelligenter Agent verbirgt.  „In den nächsten fünf Jahren werden wir uns zu einer Post-App-World wandeln, in der intelligente Agenten dynamische und kontextbezogene Aktionen und Interfaces anbieten“, berichtet Cearley. „IT-Verantwortliche  sollten prüfen, wie sie autonome Devices und Angenten einsetzen können, um Mitarbeitern mehr Zeit für Dinge zu geben, die nur Menschen tun können. Allerdings sollten sie sich bewusst sein, dass smarte Agenten ein langfristiges Phänomen darstellen, dass sich in den nächsten 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickeln und seinen Nutzen verbreitern wird. „ Das ist kein schlechter Ratschlag, allerdings in der Sache ein Tick unpräzise. Das ist ungefähr so wie „sei immer auf die Zukunft vorbereitet“. Auch die These, dass wir in fünf Jahren in einer Post-App-World leben werden, halte ich persönlich für etwas steil. Man unterschätzt zwar gemeinhin die Veränderungen, die sich innerhalb von fünf Jahren entwickeln, aber dass in fünf Jahren intelligente Agenten über Device- und Netzwerkgrenzen hinweg funktionieren und vor allem dann noch kontextbezogen agieren, halte ich für zu optimistisch. Ich kann mir das höchstens in einer Herstellerwelt oder innerhalb eines Ecosystems vorstellen. 

7. Adaptive Security Architecture


Die Komplexitäten des Digital und später des Algorithmic Business vergrößern die Angriffsfläche, die Unternehmen Hackern bieten. Perimeter-Abwehr und regelbasierte Sicherheit hält Gartner in einer Cloud-Welt mit offenen APIs für inadäquat. IT-Verantwortliche müssten sich dagegen auf Aufspüren und Abwehr von Bedrohungen konzentrieren, aber auch traditionelle Abwehrmethoden und andere Verteidigungsmaßnahmen nicht vernachlässigen. Die Selbstverteidigungsmechanismen von Applikationen und die Analyse des Nutzerverhaltens dürften laut Gartner helfen, zu einer adaptiven Security Architektur zu gelangen. An dieser Stelle würde ich als CIO oder CSO noch einmal nachfragen. Vor allem die Selbstverteidigungsmechanismen erscheinen mir interessant und in welchem erdenjahr es die geben wird.

8. Advanced System Architecture


Sowohl Digital Mesh als auch Smart Machines stellen enorme Anforderungen an die IT-Architekturen der Unternehmen. Dafür braucht es laut Gartner leistungsstarke und ultraeffiziente neuromorphe Architekturen. Von neuromorphen Archtitekturen zu sprechen, also solchen Architekturen, die biologische und digitale Systeme kombinieren können, ist vielleicht noch etwas früh, wenn erst gerade an entsprechenden einzelnen Hardware-Komponenten geforscht wird. „Systeme, die auf Grafikprozessoren und Field Programmable Gate Arrays basieren, werden wie menschliche Intelligenz funktionieren. Diese Architektur lässt noch kleinere Formfaktoren zu, die zudem weniger Strom aufnehmen. Deshalb lassen sich diese neuen Fähigkeiten des advanced machine learnings selbst in kleinste Devices integrieren,die sich zu Hause, in Autos, Armbanduhren oder in Menschen selbst befinden, prognostiziert Cearley. Eher ferne Zukunft.

9. Mesh App and Service Architecture


Monolithische, lineare Applikationsdesigns (zum Beispiel die 3-tier-architecture) wird zunehmend zugunsten lose gekoppelter integrativer Systeme (Apps and Service Architecture) aufgegeben werden. Durch Software definied services erreicht dieser Ansatz Web adäquate Leistung, Flexibilität und Agilität. Es entwickeln sich  Microservice-Architekturen für verteilte Applikationen, die agil betrieben und skalierbar entwickelt werden können, sowohl in der Cloud als auch on-premises. Dafür ist die sich zurzeit entwickelnde Container-Technologie ein entscheidender Baustein. Mobile und IoT-Elemente in die Applikationen und Service-Architekturen zu integrieren schafft ein umfassendes Modell, mit dem sowohl die Effizienzherausforderungen im Backend adressiert werden können als auch die geforderte Device Mesh Erfahrung im Front end. Anwendungsentwicklungsteams müssen sich laut Gartner auf Grundlage moderner Architekturen, agile, flexible und dynamische Cloud basierende Applikationen schaffen, die sehr gute Nutzererfahrungen bieten, die über das gesamte Digital Mesh hinweg funktionieren.

10. Internet of Things Platforms


IoT Plattformen werden die Mesh-App und Service Architektur komplettieren. Management, Sicherheit, Integration sowie weitere Technologien und Standards der IoT-Plattform werden die Basisfähigkeiten liefern, um IoT-Elemente zu entwickeln und zu managen. Diese Plattformen bilden die Grundlage für die Arbeiten, die die IT im Hintergrund in Sachen Architektur und Technologie erledigt, um das IoT Wirklichkeit werden zu lassen. Das IoT ist integraler Bestandteil des Digital Mesh und der Ambient User Experience. Abschließend erklärt Cearley: „Jedes Unternehmen, das im IoT agieren will, braucht eine IoT-Plattform-Strategie. Doch da die IT-Anbieter noch keine komplett gestalteten Ansätze haben, dürften Standardisierungen bis einschließlich 2018 schwierig bleiben.“

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