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Wie digital ist der deutsche Mittelstand? Was ihn heute auszeichnet – und wo der Weg hinführt

Der Mittelstand ist sich einig: Digitalisierung ist der Trend, der sie 2017 am meisten beschäftigen wird. Doch wie wollen die deutschen Mittelständler diesem Trend begegnen? Das wollte die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC wissen. Was ihre digitale Unternehmensagenda betrifft, haben sich jeweils 50 Prozent der befragten Unternehmen vor allem vorgenommen, ihre Produkte zu digitalisieren und ihre Mitarbeiter intensiv weiterzubilden. Das eigene Geschäftsmodell will die Mehrheit der Familienunternehmer hingegen nicht antasten – nur 40 Prozent sind bereit, es auf den Prüfstand zu stellen.

„Wenn mittelständische Unternehmen die digitale Transformation erfolgreich bewältigen wollen, müssen sie aber gerade bei ihren Geschäftsmodellen ansetzen“, sagt Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter Familienunternehmen und Mittelstand. „Digitalisierung bedeutet Disruption. Bei ihr geht es nicht darum, ein Produkt graduell immer weiter zu entwickeln, sondern sich zu fragen: Verdiene ich in Zukunft mit dem Produkt überhaupt noch Geld – oder vielleicht mit dem dazugehörigen Service? Verkaufe ich Produkte überhaupt noch – oder schaffe ich vielleicht eine Plattform, über die ich sie verleihe?“

Veränderungswille ist zentral

Gefragt nach den Eigenschaften, die ein Mittelstands-Manager mitbringen sollte, um die Digitalisierung im eigenen Unternehmen erfolgreich umzusetzen, gaben 63 Prozent der Befragten „Innovationsfähigkeit“ an. Auf Platz 2 landet „Kreativität“ (55 %) – und erst auf dem dritten Rang „Veränderungsbereitschaft“ (52 %). „Dabei ist gerade der Wille zur Veränderung ganz zentral, um die Digitale Transformation voranzutreiben“, kommentiert Bartels. „Für fast ebenso wichtig halte ich Schnelligkeit und Mut, die bei unserer Befragung nur von 37 Prozent der Befragten für notwendig erachtet werden.“

Stärken im Mittelstand: Genauigkeit und fachliche Expertise

Bemerkenswert ist, dass die Selbsteinschätzung laut der Untersuchung im Hinblick auf heute bereits vorhandene Attribute von den als notwendig erkannten „digitalen Eigenschaften“ zum Teil erheblich abweicht. Für besonders gut halten sich die Befragten bei der klassisch deutschen (Ingenieurs)-Tugend „Genauigkeit“ (54 %) – gefolgt von Innovationsfähigkeit (51 %) und fachlicher Expertise (50 %). Bei der Veränderungsbereitschaft liegt der Wert nur bei 33 Prozent. „Diese Einschätzung zeigt, dass viele Familienunternehmer und Mittelständler noch sehr technikorientiert denken und vor allem ihre Produkte perfektionieren möchten“, so Bartels. „Innovationsfähigkeit ist zwar eine wichtige Eigenschaft, um die Digitalisierung zu meistern, aber sie darf nicht auf die Technik beschränkt bleiben. Übertriebene Genauigkeit kann sogar hinderlich sein, da sie das schnelle, flexible und agile Handeln einschränkt.“

Größere Familienunternehmen sind einen Schritt voraus

Bei der Selbsteinschätzung gibt es allerdings nennenswerte Unterschiede, die von der Größe der befragten Familienunternehmen und Mittelständler abhängen: Bei den Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 250 bis 500 Millionen Euro glauben immerhin 43 Prozent , dass sie in ihrer Veränderungsbereitschaft schon besonders gut abschneiden, während es bei kleineren Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 100 Millionen Euro lediglich 25 Prozent sind.

Gelder fließen in die IT, in Innovationen und die Digitalisierung

Doch auch wenn der deutsche Mittelstand bei der Entwicklung „digitaler“ Eigenschaft zum Teil noch Nachholbedarf hat, so zeigt die Umfrage, dass die Befragten bereit sind, das Thema Digitalisierung für ihr Unternehmen anzupacken und entsprechende Investitionen zu tätigen: Ein Geldgeschenk in siebenstelliger Höhe würden sie für ihre IT und IT-Sicherheit einsetzen, wie 62 Prozent bestätigen, außerdem für Innovationen (59 %) und Digitalisierung (58 %). Diese Werte sind im Vergleich zu einer Vorjahresbefragung deutlich gestiegen, bei der zum Beispiel nur 32 Prozent in Digitalisierung investiert hätten. „Das zeigt, dass Familienunternehmen die Digitalisierung auf ihre strategische Agenda geschrieben haben“, sagt Bartels. „Insbesondere die großen Familienunternehmen sind sich bewusst, dass die Investitionen in IT- und IT-Sicherheit sowie Digitalisierung steigen müssen – bei ihnen liegen die Werte sogar bei 76 und 70 Prozent.“

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