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IT-Profis: Ohne Risiko keine Innovationen – und Scheitern schafft Vertrauen

Deutschland braucht einen lockereren Umgang mit dem Thema „Scheitern“. Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Studie und gleichzeitig der Appell von über 200 IT-Professionals an die deutsche Gesellschaft. Misserfolg sollte stattdessen als Teil des Lernprozesses akzeptiert werden, der untrennbar mit Fortschritt und Wachstum verknüpft ist. Dementsprechend sehen fast 80 Prozent der IT-Professionals die Angst vorm Scheitern als Ursache dafür, dass deutsche Gründer im Vergleich zu vielen anderen Ländern weit weniger innovationsfreudig sind.

scheitern

Durchgeführt wurde die Umfrage von der Developer Week, einer der größten unabhängigen Entwickler-Konferenzen in Europa, die vom 20.-23. Juni 2016 in Nürnberg stattfindet. Das Wort „Scheitern“ sei im deutschen Sprachgebrauch sehr negativ besetzt und spiegelt die in diesem Land vorherrschende Angst vor dem Misserfolg wider. Dem zum Trotz haben aber IT-Professionals mehr Vertrauen zu Personen, die um die Erfahrung eines Misserfolgs „reicher“ sind als zu Personen, die diese Erfahrung nicht aufzuweisen haben.

Das schlechte Image des Scheitern ist ein Wettbewerbsnachteil

83,7 Prozent der Befragten gaben an, gescheiterten Kollegen oder Vorgesetzten sogar eher zu vertrauen als solchen, bei denen bisher immer alles glatt lief. IT-Professionals sehen im negativen Image des Scheiterns einen echten Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmer und einen der Gründe, warum Deutschland bei den Unternehmensgründungen mit rund elf Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 15,1 Prozent liegt.

Auch ein Vergleich mit den USA zeigt, dass deutsche Jungunternehmer sehr viel weniger risikofreudig sind als ihre amerikanischen Kollegen. Laut Deutschland-Bericht des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) fürchten sich in den USA nur 32,8 Prozent der Gründer vor einer Pleite, in Deutschland sind es 46,4 Prozent. Ein Mentalitätswandel nach amerikanischem Vorbild wäre daher für 65,1 Prozent der Befragten absolut wünschenswert, weitere 30,2 Prozent wünschen sich zumindest eine Annäherung daran.

Weiter appelliert die deutsche IT-Professionals Szene, Personen mit gescheiterten Projekten nicht länger zu stigmatisieren. Kapitalgeber, Vorgesetzte, Kunden und Kollegen müssen akzeptieren, dass Innovationen ohne Risiko aus Sicht der Befragten nicht möglich sind (85,3 %) und jeder eine zweite Chance verdient hat (81,4 %).

Misserfolg sei nur dann verwerflich, wenn Fehler anschließend vertuscht (84,2 %) oder fahrlässig verursacht werden (60,5 %). „Die IT-Szene ist eine der innovationsfreudigsten Branchen weltweit und Wachstumsmotor für unsere ganze Volkswirtschaft“, erklärt Florian Bender, Projektleiter der Developer Week und Initiator der Studie. „Wir wollten wissen, wie IT-Professionals mit dem Thema Scheitern umgehen und ob das hierzulande schlechte Image als Wettbewerbsnachteil wahrgenommen wird. Wir sind überrascht, wie deutlich das Ergebnis ausgefallen ist.“

Weitere Informationen zur Developer Week sowie das komplette Programm der Konferenz gibt es hier.

 

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