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Digitalisierung der Verwaltung: Behörden und für Start-ups wollen enger zusammenarbeiten

Bildquelle: Pixabay

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist die derzeit wichtigste Herausforderung für Behörden. Dennoch hat Deutschland hier Nachholbedarf. Start-ups können als Technologietreiber den digitalen Wandel der öffentlichen Verwaltung voranbringen. Und obwohl die Zusammenarbeit von Start-ups mit deutschen Verwaltungen noch in den Kinderschuhen steckt, gehen beide Seiten davon aus, künftig stärker zusammenzuarbeiten.

Das hat eine Online-Umfrage von Hertie School of Governance und dem Institut für den öffentlichen Sektor ergeben, an der sich rund 70 Start-ups und öffentliche Verwaltungen beteiligt haben. Zwar geben mehr als die Hälfte der befragten Start-ups und knapp 70 Prozent der befragten Behörden darin an, bislang keine Geschäftsbeziehungen eingegangen zu sein. Doch räumen 76 Prozent der Start-ups der öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Unternehmen einen „hohen“ oder „sehr hohen“ Stellenwert als zukünftige Kundengruppe ein.

Behördenmitarbeiter teilen diese Auffassung: Hier kann sich mehr als die Hälfte der Befragten ebenfalls vorstellen, dass ihr Verwaltungsbereich künftig Digitalisierungsprojekte mit Start-ups realisiert. Die Umfrage-Ergebnisse zeigen auch: Bevor es soweit ist, müssen erst Hindernisse beseitigt werden.

„Trial-and-Error“-Prinzip trifft auf „Null-Fehler“-Mentalität

Die Umfrage mache deutlich: langwierige Entscheidungsprozesse bei Behörden und Mentalitätsunterschiede erschweren aus Sicht der Start-ups eine Zusammenarbeit. So sehen fast 90 Prozent der Start-ups die Entscheidungsprozesse und Reaktionszeiten der öffentlichen Hand als „mittelgroßes“ oder „großes“ Hindernis für eine Zusammenarbeit; gut 60 Prozent sehen in Mentalitätsunterschieden eine Hürde. Hierzu zählen zum Beispiel die starke Sicherheitsorientierung beziehungsweise das vorschriftenfixierte Handeln der öffentlichen Hand.

Umgekehrt beklagen die befragten Behörden die fehlende Rechtssicherheit der Produkte und Dienstleistungen von Start-ups. Eine große Mehrheit von 82 Prozent sieht darin ein „großes“ oder „mittelgroßes“ Hindernis für die Zusammenarbeit.

Innovation Hubs oder „Gütesiegel“ könnten Zusammenarbeit stärken

Dr. Ferdinand Schuster, Geschäftsführer des Institut für den öffentlichen Sektor e.V.: „Aus den Umfrageergebnissen lässt sich erkennen, dass Behörden aus Sicht der Start-ups in ihren Abläufen und Prozessen schneller werden müssen. Um das zu erreichen, sollten Verwaltungen eigene Experimentierräume schaffen. Das können einzelne Bereiche sein, deren Arbeitsweise sich stärker an agilen Prozessen orientiert und die somit innovativer und schneller agieren und auch von Kooperationen mit Start-ups profitieren können.“

Aus Sicht der Behörden müssen Start-ups zuverlässiger werden. Über 70 Prozent der antwortenden Behördenmitarbeiter stimmen der Aussage zu, dass externe Zertifizierungen („Gütesiegel“) für Start-ups im Hinblick auf Verlässlichkeit und finanzielle Solidität eine Zusammenarbeit möglicherweise erleichtern können.

Methodik: Im Rahmen einer offenen Online-Befragung im Sommer/Herbst 2017 wurde ein Stimmungsbild zur Zusammenarbeit von Start-ups und öffentlicher Verwaltung eingeholt. Zwei Fragebögen bildeten die beiden Perspektiven von Start-ups und öffentlicher Verwaltung ab. 42 Start-ups und 25 Behördenvertreter haben sich beteiligt.

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