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Forcierte Digitalisierung: Deutsche Unternehmen in den USA kommen gestärkt aus der Pandemie

Bild von Christian Dorn auf Pixabay

Deutsche Unternehmen in den USA haben in 2021 die Folgen der Pandemie im Wesentlichen hinter sich gelassen: 85 Prozent der deutschen Unternehmen in den USA gelang 2021 ein Umsatzanstieg. Im Vorjahr schafften dies nur 42 Prozent. Fast neun von zehn Unternehmen (88 %) erwirtschafteten 2021 Gewinne. 29 Prozent (i. Vj. 23 %) der Befragten erzielten sogar eine Umsatzrendite von mehr als 10 Prozent. Die Profitabilität des US-Geschäfts nimmt weiter zu.

Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „German American Business Outlook 2022“. In der jährlichen Umfrage der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK USA) wurden zwischen dem 1. und 21. November 2021 102 deutsche Tochtergesellschaften zu ihren Geschäftserwartungen in den USA befragt.

66 Prozent der Befragten waren während der Krise erfolgreich bei der Optimierung und Restrukturierung ihrer Geschäftsprozesse; 53  Prozent erzielten Fortschritte bei der Digitalisierung der Arbeitsplätze, 28 Prozent bei der Digitalisierung des Vertriebs sowie 21  Prozent  bei der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells.

Als Folge aller Maßnahmen konnten 71  Prozent der befragten deutschen Konzerne in den USA ihre Profitabilität in 2021 steigern. Im Vorjahr, das noch stärker durch die COVID-19-Pandemie geprägt war, gelang dies nur 45 Prozent der deutschen Konzerne.

Optimistischer Blick auf 2022

Die USA sind einer der wichtigsten Umsatz- und Gewinnquellen für deutsche Konzerne: 34 Prozent der deutschen Gruppen erzielen in den USA mehr als ein Fünftel ihrer globalen Umsätze; 28 Prozent mehr als ein Fünftel ihrer globalen Gewinne.

In die Zukunft blickt das Gros zuversichtlich: 43 Prozent erwarten, dass die US-Wirtschaft 2022 mit mehr als 3 Prozent wächst. Im Vorjahr glaubten das nur bescheidene 18 Prozent. Noch optimistischer sind die Befragten mit Blick auf ihr eigenes Unternehmen: 60  Prozent rechnen für 2022 mit einem Umsatzwachstum von mehr als 3 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten dieses nur 34 Prozent  prognostiziert. Zudem gehen 88 Prozent  der deutschen Unternehmen von steigenden Gewinnen aus.

„Wenngleich sich das Wirtschaftsumfeld aufgrund von Lieferengpässen, steigender Inflation und zunehmendem Decoupling der großen Wirtschaftsmächte verdüstert, bleiben deutsche Unternehmen in den USA ‚bullish‘. Alles spricht dafür, dass deutsche Unternehmen in den USA auf absehbare Zeit weiter stark prosperieren“, so  Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business KPMG AG.

87 Prozent (i. Vj. 82 %) der deutschen Unternehmen planen wachsende Investitionen im US-Markt. 22 Prozent wollen in den nächsten drei Jahren sogar mehr als 10 Mio. USD investieren. Das entspricht einem Anstieg um 5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Quelle: KPMG

Die wichtigsten geplanten Investitionsfelder betreffen allesamt die Fortsetzung der digitalen Transformation: Zur Top 3 der am häufigsten geplanten Projekte zählen die

  • Automatisierung der Produktion (39 %), die
  • Digitalisierung aller internen Geschäftsprozesse (37%) und der
  • Vertriebskanäle (25%).

Lieferketten unter Druck

71 Prozent der Befragten waren in den letzten 18 Monaten einer starken Belastung ihrer Lieferketten oder Engpässen bei ihren Zulieferern ausgesetzt. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen erfuhren keinerlei Beeinträchtigungen. So überrascht es nicht, dass mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen in den USA (54 %) das Lieferketten-Management als eines der Top 3 Herausforderungen betrachtet.

Um die Lieferketten-Risiken zu mindern, setzen deutsche Unternehmen in den USA auf lokale Beschaffung (22 %), Diversifizierung der Zulieferer (19 %) sowie die Bevorratung kritischer Komponenten (16 %).

„Die durch die Pandemie verursachten Unterbrechungen der Lieferungskette sind etwas, was Unternehmen weltweit nie erwartet hätten“, so Crispin Teufel, CEO der Lincare Holding, Inc. sowie Vorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK USA). „Die betroffenen Unternehmen müssen Notfallpläne entwickeln, um ihren Betrieb jetzt und in Zukunft reibungslos zu gestalten.“

Cyber-Risiken steigen weiter

Der zweitgrößte Verbesserungsbedarf besteht aus Sicht der befragten deutschen Unternehmen in den USA beim Schutz vor Cyber-Risiken. Knapp jeder dritte Befragte (30 %) glaubt, dass in seinem Unternehmen entsprechende Verbesserungen erforderlich sind.

„Cyber-Angriffe haben massiv zugenommen und betreffen heute praktisch jedes Unternehmen. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen den wachsenden Cyber-Bedrohungen und der fortschreitenden Digitalisierung aller internen Prozessabläufe und des Datenaustauschs mit Dritten wie Lieferanten und Kunden. Hier können Unternehmen gar nicht genug investieren“, so Glunz.

Arbeitskräftemangel bedroht Wachstumsaussichten

Drei von vier der befragten deutschen Unternehmen in den USA (75 %) bezeichnen den Arbeitskräftemangel als eine der Top 3 Herausforderungen. Im Vorjahr hatten dieses nur 45 Prozent der befragten Unternehmen beklagt. Zugleich äußern 50 Prozent  der Unternehmen (i. Vj. 27 %) große Schwierigkeiten, Fachkräfte auf dem US-Markt zu gewinnen.

Vor dem Hintergrund, dass zwei von drei befragten Unternehmen (67 %) konkrete Pläne haben, ihre Belegschaft im Jahr 2022 aufzubauen, könnte sich dieser Personalengpass als wesentliches Hindernis für das künftige Wachstum erweisen. Jedes dritte deutsche Unternehmen (33 %) hat daher bereits eigene Aus- und Fortbildungsprogramme aufgesetzt.

Forderung an die Politik: Hemmnisse abbauen

Das Politikfeld, das den größten Einfluss auf den zukünftigen Geschäftserfolg in den USA hat, sind nach Meinung der deutschen Unternehmen der Zugang zu offenen Märkten und faire Handelsabkommen (45 %). Im Vorjahr sagten dies noch 64 Prozent der von KPMG und GACC Befragten – ein deutlicher Beleg, dass sich die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU im Jahr 2021 entspannt haben.

Auf dem Wunschzettel für die neue Bundesregierung steht, unternehmerisches Handeln nicht zu behindern bzw. zu belasten: Fast drei von fünf Unternehmen (59 %) wünschen sich von der deutschen Politik den Abbau von Handelshemmnissen und die Abschaffung von Zöllen und 54 Prozent Vereinfachungen bei US-Arbeitsvisa.

„Die Unternehmen wünschen sich friktionslosen Freihandel und möglichst wenig staatliche Intervention. Fakt ist aber, dass in der Welt heute immer mehr Regulierung geschaffen wird, die großen Wirtschaftsblöcke mit immer neuen regionalen Regeln auseinanderdriften und sich zunehmend entkoppeln“, sagt Glunz.

Investitionen in Nachhaltigkeitsprojekte

Aktuell planen 56 Prozent der deutschen Unternehmen in den USA, ihre Investitionen in Nachhaltigkeitsprogramme in den nächsten drei Jahren zu erhöhen. Projekte zur Energieeinsparung und zum Recycling werden mit 45  bzw. 40 Prozent am häufigsten genannt.

„In saubere Energielösungen zu investieren, ist ein klares Mandat, dem viele deutsche Unternehmen in den USA nachkommen “, so Teufel. „Es gibt immer mehr Geschäftsmöglichkeiten, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die diesen Anforderungen gerecht werden – ein Gewinn für die Umwelt und die globale Wirtschaft“.

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