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Digitalisierung: Behelfslösungen dienen vielen Banken als „digitale Fassade“

Bildquelle: Pixabay

Zwei Drittel der Banken in Deutschland wollen an ihrem bestehenden Geschäftsmodell festhalten. Nur 44 Prozent sehen sich veranlasst, ihre digitalen Angebote auszubauen. An der Veränderungsfähigkeit allgemein wollen gerade mal 38 Prozent arbeiten. 

Den größten Handlungsdruck verspüren die Institute derzeit bei den Kosten. 63 Prozent der Banken wollen laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens Procedera Consult weniger Geld für den Betrieb ausgeben. Mit 69 Prozent liegt der Anteil der Institute, die an den internen Abläufen etwas verändern wollen, zwar noch höher. Doch häufig zielen die geplanten Anpassungen bei Prozessen darauf ab, günstiger und schneller zu arbeiten oder den gesetzlichen Auflagen besser zu genügen.

27 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte bestätigen, dass viele Entscheider die Bankenaufsicht BaFin inzwischen als wichtigsten Kunden betrachten. „Der Endkunde genießt immer noch zu selten die höchste Aufmerksamkeit von Bankvorständen“, warnt Gisbert Beckmann, Geschäftsführer von Procedera Consult.

Veraltete Technik als Bremsklotz

Besonders kritisch sei es um die Digitalisierung im Bankwesen bestellt. Aktuell arbeite nur knapp ein Drittel der Institute an neuen Digitalangeboten. 16 Prozent, kaum jedes sechste Institut, sei mit der dringend notwendigen Modernisierung des Kernbanksystems beschäftigt.

Gleichzeitig gelte die veraltete Technik als einer der größten Bremsklötze für die Digitalisierung. Probleme bereiten vor allem Prozesse, die sich wegen Beeinträchtigungen im Herzen der IT nicht durchgängig digital abbilden lassen.

„Viele Institute arbeiten mit Behelfslösungen, die um das Kernbanksystem herum aufgebaut werden, um eine digitale Fassade aufzubauen“, so Beckmann. „Die Echtzeitbuchung auf dem Smartphone entpuppt sich häufig als ein in Umsystemen zwischengespeicherter Auftrag, der erst über Nacht in die zentrale Datenbank geschrieben wird.“

Beckmann vertritt die Ansicht, dass Banken jetzt damit beginnen sollten, intensiv Personal in IT und Betriebsorganisation aufzubauen. Künftig müssten die Institute vor allem bei den Prozessen und der Zusammenarbeit mit digitalen Partnern aufschließen. „Verglichen mit den USA stehen die deutschen Banken heute schlechter da als noch vor der Finanzkrise“, resümiert Beckmann. „Die Branche hierzulande war zu zaghaft und hat sich zu wenig selbst hinterfragt.“

Methodik:  Befragt wurden 104 Fach- und Führungskräfte aus der Bankbranche zum Stand des Prozessmanagements.

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