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CIOs zwischen Hoffen und Bangen

Digitale Transformation:
CIOs zwischen Hoffen und Bangen

Volles Haus beim SAP CIO Summit im "Aircraft" in Dreieichenhain bei Frankfurt. Foto: Joachim Wendler

Volles Haus beim SAP CIO Summit im „Aircraft“ in Dreieichenhain bei Frankfurt. (Foto: Joachim Wendler)

Auf Einladung der SAP trafen sich vor gut einer Woche über 40 CIOs großer und mittelständischer Unternehmen in Dreieichenhain bei Frankfurt a.M. Ihr Thema: Digitale Transformation. Die Diskussionen zeigten, dass die IT-Verantwortlichen sich einerseits als die Speerspitze der Digitalisierung in ihren Unternehmen sehen, aber andererseits noch nicht 100-prozentig sicher sind, wie sie mit den unscharfen Anforderungen umgehen sollen.

 In seinem Eröffnungsvortrag führte Professor Walter Brenner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, den anwesenden CIOs eindrücklich vor Augen (und Ohren mit dem Song Computerwelt der legendären Band Kraftwerk), wie groß der Einfluss von Software, Daten und Algorithmen auch auf die Welt der physischen Produkte geworden ist.

Drei wichtige Protagonisten auf dem CIO Summit: Professor Walter Brenner von der Uni St. Gallen, Ralf Steinbach von Danone und Martin Heisig von SAP (Foto: Joachim Wendler

Drei wichtige Protagonisten auf dem CIO Summit: Professor Walter Brenner von der Uni St. Gallen, Ralf Steinbach von Danone und Gastgeber Martin Heisig von SAP (v.l.n.r) (Foto: Joachim Wendler)

Um diese weiter steigende Bedeutung zu illustrieren, gibt es viele Beispiele aus der Musik-, Medien oder Automobilindustrie. Brenner zeigt ebenso eindrückliche, aber weniger abgegriffene Beispiele: Gemeinsam mit ThyssenKrupp arbeitet sein Institut gerade daran, Aufzüge zu Smart Services zu veredeln, die mit Hilfe intelligenter Überwachungseinheiten und Big Data Analysen ohne Wartungsstillstände auskommen, weil sie vorausschauend gewartet werden können.

In einem anderen Proof-of-Concept-Projekt gemeinsam mit Linde Material Handling und Kion Group arbeiten die Forscher daran, Fertigungsmaschinen mit dem Internet zu verbinden und so Daten zu gewinnen, die als Basis für neue technische Kunden orientierte Services dienen können. In beiden Projekten liege eine der grundsätzlichen Herausforderungen in der Nutzbarmachung der gesammelten Daten. „Es gibt noch keinen allgemein anerkannten Weg, aus den Daten, die die Maschinen erzeugen, Informationen zu generieren, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden oder digitale Services erzeugt werden können“, betonte Brenner. Leider ließen sich heute viele Unternehmen von den noch ungelösten Fragen entmutigen, statt sie beherzt anzugehen: „Im Internet der Dinge wird zu viel konzipiert und zu wenig gemacht“, schloss der Professor.

IT braucht mehr Glaubwürdigkeit

In drei 90minütigen interaktiven Workshops wurde anschließend heftig diskutiert. Die CIOs hatten sich drei Themen vorgenommen, die sie unter dem Blickwinkel digitale Transformation genauer beleuchteten: Die Rolle des CIOs, Cloud als Enabler und die Zusammenarbeit von Business und IT für mehr und schnellere Innovationen. Um möglichst viele Meinungen einzufangen, wechselten die Teilnehmer alle 30 Minuten den Workshop, so dass sich alle anwesenden CIOs zu allen Themen äußern konnten.

Die Teilnehmer hielten es nach wie vor nicht für einfach, Business- und IT unter einen Hut zu bringen. Den Grund für diese Lücke sehen sie zumindest teilweise in der IT. Sie müsse mehr Glaubwürdigkeit aufbauen, zum Beispiel durch die freie Wahl von Endgeräten durch die Benutzer oder bestimmte Benutzergruppen. Außerdem müsse die IT Wege aus der Defensive finden.

Das Business weiß zu wenig

Auf in die Workshops. Organisator Gerhard Holzwart von h&g Editors erklärt den Teilnehmern die Workshop-Methode

Auf in die Workshops. Organisator Gerhard Holzwart von h&g Editors erklärt den Teilnehmern die Workshop-Methode. (Foto: Joachim Wendler)

Die Business-Seite andererseits stelle ihre Anforderungen häufig ohne die Restriktionen oder auch die unternehmensweiten Ziele der IT zu kennen. Allerdings ist die Einsicht offenbar sehr deutlich gewachsen, dass die künftigen Anforderungen hinsichtlich Innovation und Geschwindigkeit nur gemeinsam von Business und IT bewältigt werden können. Eine frühere Einbindung der Fachbereiche münde fast zwangsläufig in einer besseren Beziehung und intensiveren Abstimmung mit der Business-Seite, so der Tenor in der Runde.

Frühe Einbindung und 2-Geschwindigkeiten

Eine IT der „zwei Geschwindigkeiten“, eine langsam drehende, die die Kernanwendungen betrifft und eine schnelle, innovative IT, die die Kunden gerichteten und nicht tief zu integrierenden Anwendungen adressiert, schien vielen der anwesenden CIOs eine praktikable Lösung, um das Gap zwischen IT und Business zu überwinden. Voraussetzung sei allerdings auch, dass für alle Beteiligten größtmögliche Transparenz geschaffen wird.

Teilweise neue Aufgaben für den CIO

In der Diskussion über die „Rolle des CIO“ waren sich die IT-Verantwortlichen einig, dass die Rolle der IT im Unternehmen durch die Digitale Transformation an Bedeutung gewinnt und das auch vom Business mittlerweile erkannt worden sei. Sie formulierten eine Reihe von teilweise neuen CIO-Aufgaben, die durch die Digitale Transformation immer wichtiger werden:

  • Als Business-Enabler sollten CIOs aktiver auf die Fachbereiche zugehen.
  • CIOs sollten das Business und die Kunden noch besser verstehen, damit sie unter anderem ihre Schnittstellenfunktion besser ausfüllen können.
  • Die Produkte, die ein Unternehmen produziert, werden immer intelligenter. Hier muss die IT unterstützen (Schnittstellenmanagement Produkt – Unternehmens-IT).
  • Die gesamte Wertschöpfungskette (Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Wartung) muss dann von der Unternehmens-IT verstanden werden.
  • Gleiches gilt für die Kombination der produzierten Güter mit IT-Lösungen und Services

Dennoch waren sich die meisten Workshop-Teilnehmer einig, dass eine erfolgreiche Digitale Transformation nur gelingen kann, wenn sie vom ganzen Unternehmen getragen wird: „Allein geht es nicht, sondern nur zusammen!“

Noch Zurückhaltung bei der Cloud

Bei der Umsetzung von Cloud-Projekten zeigten sich die meisten Teilnehmer des Workshops „Cloud als Enabler“ noch relativ zurückhaltend. In nahezu jedem Anwenderunternehmen finden Evaluierungen statt, häufig gibt es erste Pilotprojekte. Große, strategische Cloud-Projekte befinden sich – so das Meinungsbild unter den Teilnehmern – noch in vergleichsweise wenig Fällen im „Run“-Betrieb.

Als zentrale Motive für den Bezug von Applikationen aus der Cloud wurden genannt:

  • Besserer Endkundenkontakt
  • Hohe Standardisierung
  • Skalierbarkeit
  • Time-to-market von Geschäftsprozessen
  • Höhere Geschwindigkeit im Bereich R&D
  • Gemeinsames Testen von Applikationen mit den Fachbereichen, das durch eine grundsätzlich niedrigere „Einstiegshürde“ im Vergleich zu On-Premise-Installationen möglich ist.

Die bisherigen Erfahrungen des Gastgebgers SAP als Cloud-Anbieter machen allerdings deutlich, dass Anwender zumindest aus internationaler Perspektive ihre Cloud-Zurückhaltung aufgegeben haben: Martin Heisig, Senior Vice President SAP Cloud Delivery & Service, erklärte in seinem Vortrag: „Wir managen zurzeit rund 2000 Clouds für unsere Kunden weltweit – mit sehr stark zunehmender Tendenz.“ Wie wichtig die Cloud für sein Unternehmen geworden ist, bestätigte auch Ralf Steinbach, Director Software Architecture von Danone: „Cloud bedeutet für uns: Erreichbarkeit, Produktivität und Agilität.“

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