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“Die IT muss ihre Art zu arbeiten verändern“

Interview mit Christian Mezler-Andelberg, Executive Director Information Management von Magna Steyr

Christian Mezler-Andelberg spricht sich für eine engere Zusammenarbeit aus zwischen IT und Fachabteilung. Er sieht die IT als technischen Berater des Unternehmens und nicht als reinen Dienstleister. Diese Haltung und ein spannendes Projekt brachten Ihn unter die Top 10 CIOs des Jahres 2012, eine Ehrung, die von den renommierten Fachpublikationen Computerwoche und CIO Magazin vergeben wird.

?Wie unterstützt die IT von Magna Steyr das Unternehmenswachstum?

mezler-AndelbergNeben einer ganzen Reihe von Maßnahmen, mit denen wir neue Produktangebote und Produktionsaufträge unterstützen, verändern wir unsere Ausrichtung: weg vom reinen Dienstleister, der als Lieferant umsetzt, was das Business fordert; hin zum Partner/Berater der Fachabteilung. Ich habe schon im vergangenen Jahr begonnen, mehr ITler, auch Softwareentwickler, in den Fachbereichen zu platzieren, damit sie gemeinsam mit ihren Gegenübern aus dem Fachbereich schneller Lösungen entwickeln und umsetzen können. Diese so erzeugte neue Nähe zwischen IT und Business zahlt sich in Bezug auf Kundennähe, Geschwindigkeit und Kosten prächtig aus. Die zentrale Frage, die wir uns dabei immer wieder stellen, ist folgende: Bringt eine bestimmte Regel oder Vorgehensweise das Unternehmen voran, bringt sie einen Wettbewerbsvorteil oder erleichtert es nur der IT-Abteilung das Leben?

 ?Woher kam dieser Sinneswandel und wann hat er eingesetzt?

Im Jahr 2010 haben wir uns gefragt, wie die IT im Jahr 2020 aussehen könnte. Zur eingesetzten Technologie konnten wir noch keine genauen Aussagen machen, aber mir wurde schnell klar, dass wir unsere Art zu arbeiten verändern müssen – vor allem in Hinblick auf Agilität und Priorisierung. Die Fachabteilungen erwarten, dass wir die IT-Entscheidungen treffen. Schließlich sind wir die Experten. Wenn wir diesen Gedanken ernst nehmen, kommen wir wieder da hin, wo wir einmal waren: Wir werden dann wieder die IT-technischen Berater des Unternehmens. Wir evaluieren und implementieren die für das Unternehmen beste IT-Lösung.

 ?Das klingt ein bisschen nach der guten alten Informatikabteilung?

Nein. Sicher wird die IT nie wieder in den Elfenbeinturm zurückkehren, in dem sie vor Beginn der Serviceära saß. Das Dienstleistungsparadigma ist ein nötiger Zwischenschritt zwischen der IT als Elfenbeinturm und einer modernen, businessorientierten IT, die Verantwortung trägt für die bestmögliche IT-Unterstützung ihrer Kollegen in den Fachbereichen. Das Pendel Serviceorientierung ist lediglich ein bisschen zu stark in eine Richtung geschwungen, das wollen wir korrigieren.

 ?Gilt dieser Ansatz bei Magna Steyr für alle Bereiche?

Wir nutzen auch Standardsoftware. Im Bereich Finanzen beispielsweise SAP FI/CO. Aber das ERP-System, mit dem wir die Autos bauen, haben wir selbst entwickelt. Das entsprechende SAP-Modul ist einfach nicht in der Lage, eine Produktion zu steuern, bei der wir auf einem Band Autos unterschiedlicher OEMs fertigen.

 ?Wie halten Sie es in diesem Zusammenhang mit Zentralisierung?

Die mit Zentralisierung zu erreichenden Synergien wirken den Verlust von Agilität nicht aus. Dezentrale Organisationen können wesentlich mehr Informationen gleichzeitig verarbeiten. Wenn wir agiler werden wollen, dann müssen bestimmte Dinge sehr nah am Fachbereich entschieden werden können. Zum einen habe ich deshalb meine Leute in die Fachabteilungen hineingebracht. Zum anderen gibt es in den verschiedenen Produktbereichen bei Magna Steyr – Engineering Services, Contract Manufacturing, Fuel & Battery Systems und Roof Systems – auch IT-Verantwortliche, die die IT-Belange in ihren Bereichen so regeln können, wie es für ihre Division am besten ist. Ich folge dabei der Regel: Commodities standardisieren und zentralisieren, aber Wettbewerbsdifferenzierendes sehr nah am Fachbereich und regional entscheiden. Wenn diese IT-Vielfalt dem Unternehmen Vorteile verschafft, die IT-Abteilung dadurch aber mehr Arbeit hat, nehme ich die Mehrarbeit billigend in Kauf.

?Welche neue Technologien spielen in Ihrer Strategie eine Rolle?

Welche Technologien werden wir in zehn Jahren benutzen? Sicher ganz andere als heute. Genauso wie wir vor zehn Jahren andere Technologien verwendet haben. Damit meine ich, dass der Umgang mit neuen Technologien eine Basisvoraussetzung für eine erfolgreiche Enterprise IT ist. Das gilt heute für In-Memory- oder Cloud Computing. Vor 20 Jahren, als ich in die IT eingestiegen bin, war das die Verheiratung von Text, Fotos und Video, also Multimedia. Jede Zeit hat ihren Hype. Und vieles ist bei genauerer Betrachtung gar nicht so neu, wie anfangs behauptet und während der Realisierung stellt sich oft heraus, dass die Dinge sehr viel einfacher sind, als die Analysten oft ausmalen.

Foto: Magna Steyr

 

 

Platz 5 unter den CIO des Jahres 2012

Diese klare Haltung in Bezug auf direkte Business-Unterstützung und das Projekt „ICADM“ nahmen die renommierten Fachzeitschriften Computerwoche und CIO zum Anlass, Mezler-Andelberg unter die besten 5 IT-Verantwortlichen des Jahres 2012 zu wählen. Das Projekt, das zunächst unter der Bezeichnung Global Engineering Daten Verbund bei Magna Steyr anlief, versetzt die Ingenieure des Automotive Konzerns in die Lage, über verschiedene Kontinente hinweg reibungslos an gemeinsamen Aufgaben zu arbeiten. Inzwischen ist Mezler-Andelberg dabei, die IT von Magna Steyr komplett umzubauen. Ziel der Reorganisation ist es, die IT-Mitarbeiter vor allem dort einzusetzen, wo sie für das Unternehmen Mehrwert schaffen.

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