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Energiebranche auf Sparflamme: Unternehmen lassen große Potentiale der Digitalisierung noch ungenutzt

Bild von Holger Schué auf Pixabay

Mehr als ein Drittel der Energieunternehmen steht noch am Anfang der digitalen Transformation –  lediglich 7 Prozent gehören zu den digitalen Champions. Dabei machen Chemieunternehmen die größten Fortschritte bei der Digitalisierung. Ein unklarer ROI ist für viele Unternehmen das größte Hemmnis bei Ausbau und Anwendung neuer Technologien.

Für Unternehmen aus der Energiebranche besteht noch großer Aufholbedarf bei der digitalen Transformation. Laut der 2019 Digital Operations Study for Energy von Strategy& nutzen bisher  erst 7 Prozent der Energieversorger, Chemieunternehmen sowie Öl- und Gaskonzerne umfassend digitale Technologien und besetzen damit die Position als digitale Champions. 37 Prozent zählen hingegen zu den digitalen Neulingen, die bisher bloß sehr beschränkt digitale Applikationen anwenden. Dazwischen stehen 36 Prozent digitale Mitläufer, die sich neuen Technologien zwar nicht verschließen, aber auch keine Vorreiterrolle bei der Implementierung in Geschäftsprozesse einnehmen. 20 Prozent der untersuchten Unternehmen gelten als digitale Innovatoren mit einer fortgeschrittenen digitalen Reife, die allerdings noch ausbaufähig ist.

Mit einem Anteil von 16 Prozent sind Chemieunternehmen bei den digitalen Champions am weitesten digitalisiert. Dahinter folgt die Öl- und Gasindustrie mit 7 Prozent. Unter den Energieversorgern gibt es mit 2 Prozent die wenigsten digital reifen Unternehmen. Somit nutzt die Energiebranche die Potentiale der Digitalisierung aktuell noch nicht – oder erkennt diese erst gar nicht.

Quelle: : PwC’s Strategy& 2019 Digital Operations study for energy

Darüber hinaus wird deutlich, dass besonders kleine Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern die größten Schwierigkeiten bei der Einführung digitaler Technologien haben: Lediglich eine kleine Minderheit von 4 Prozent zählt hier zu den digitalen Champions, während mit 48 Prozent fast die Hälfte als digitale Neulinge identifiziert wurden. Bei größeren Firmen mit einer Mitarbeiterzahl von bis zu 5.000 Angestellten beträgt der Anteil der digital reifen Champions 11 Prozent und bei Organisationen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern liegt er bei 10 Prozent.

„Der Wettbewerbsdruck in der Energiebranche steigt kontinuierlich, die Folge sind oft stagnierende Umsätze und sinkende Profitabilität. Die Digitalisierung ist für Energieunternehmen ein leistungsstarker Hebel, um etwa über Prozessoptimierung und Neugestaltung der Kundenschnittstelle effizienter zu werden. Dazu gehört vor allem die Einführung von digitalen Applikationen in die Betriebsabläufe. Insbesondere künstliche Intelligenz eröffnet zum Beispiel kosteneffiziente Möglichkeiten, um erneuerbare Energien im Energieerzeugungsmix zu etablieren. Zudem eröffnen digital induzierte Produkte und Dienstleistungen neue Umsatzquellen“, erläutert Dr. Marcus Eul, Partner bei Strategy& Deutschland.

Nur wenige Unternehmen sehen finanzielle Vorteile

Das finanzielle Potential von Digitaltechnologien wird unter den befragten Unternehmen allerdings noch als gering eingeschätzt. Am optimistischsten sind hierbei Firmen aus der Chemieindustrie, die in den nächsten fünf Jahren eine durchschnittliche Umsatzsteigerung von 12,6 Prozent erwarten. Energieversorger sowie Öl- und Gasunternehmen gehen hingegen von 10,2 bzw. 10,3 Prozent Einnahmenwachstum aus.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den erwarteten Effizienzzunahmen und Einsparpotentialen: Diese werden bei Chemieunternehmen mit 11,1 Prozent über die nächsten fünf Jahre deutlich positiver bewertet als bei den Energieversorgern (8,7 %) und in der Öl- und Gasindustrie (8,5 %).

Als einer der Gründe für den schwachen Digitalisierungsgrad der Branche können fehlende finanzielle Anreize bewertet werden. Fast die Hälfte aller befragten Unternehmen beurteilt einen unklaren ROI als größtes Hemmnis bei Ausbau und Anwendung neuer Technologien. Die fehlende digitale Qualifizierung der Mitarbeiter wird hauptsächlich von den Energieversorgern als Herausforderung angesehen (41 %). Öl- und Gasunternehmen hegen aufgrund mangelnder Transparenz und fehlendem Vertrauen in digitale Applikationen Zweifel (48 %).

„Viele Unternehmen haben bereits grundlegende Prozesse in ihren Finanzabteilungen oder im Vertrieb digitalisiert. Komplexere Aufgaben in den Betriebsabläufen wurden allerdings noch nicht angepasst. Führungskräfte aus der Energiebranche müssen gezielt entscheiden, welche technologischen Anwendungen ihr Unternehmen am besten für die digitale Zukunft aufstellt. Eine klare Differenzierung zum Wettbewerb ist hierbei unabdinglich. Strategische Partnerschaften oder Joint Ventures können in diesem Zusammenhang auch Sinn machen“, kommentiert Folker Trepte, Partner bei PwC Deutschland.

Bei der Auswahl derjenigen neuen Technologien, die in Zukunft am ehesten Anwendung finden könnten, zeigen sich ebenfalls signifikante Unterschiede zwischen den Industrien. In der Chemieindustrie finden beispielsweise 3D-Druck (29 %) und Virtual Reality (26 %) deutlich mehr Unterstützer als bei den Energieversorgern (12 % bzw. 9 %) sowie den Öl- und Gaskonzernen (13 % bzw. 8 %).

Quelle: : PwC’s Strategy& 2019 Digital Operations study for energy

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